Solidarität unter den Kindern Gottes 

Mittwochsandacht_online

Den ersten Teil der Andachten am 10. Juni 2026 bildete ein Interview mit Onno, der sein Sozialpraktikum in einer Außenstelle des Pestalozzi-Kinderdorfs absolviert hat. Dort sind Kinder zwischen 3 und 7 Jahren untergebracht, die aufgrund der häuslichen Verhältnisse aus ihren Familien herausgenommen werden mussten. Den Kindern wird dort ein Ersatz für ihr Zuhause geboten, aber die finanziellen Mittel sind knapp. Was Onno dort erlebt hat, hat ihn sehr berührt. Deshalb hatte er die Idee, Spenden für das Kinderdorf zu sammeln. 

Die folgenden Gedanken schließen sich an das Interview mit Onno an: 

Das Wichtigste, was es in dieser Andacht zu sagen gibt, habt Ihr gerade von Onno gehört. Ich will im Folgenden kurz darlegen, warum wir seinen Bericht und seinen Spendenaufruf zum Thema einer Andacht gemacht haben. 

Solidarität ist einer der zentralen Gedanken im Glauben und in der Bibel. Gott stellt sich in der Bibel immer wieder auf die Seite der Menschen, die vom Leben benachteiligt und auf Hilfe angewiesen sind. Deshalb sind gläubige Menschen dazu aufgerufen, Menschen die Hilfe zu geben, die diese brauchen. 

In der Hebräischen Bibel fordert Gott immer wieder Solidarität besonders mit vier Gruppen von Menschen: Mit den Witwen, den Waisen, den Fremdlingen und den Leviten. Wie die drei anderen Gruppen konnten die Waisenkinder nicht selbst für ihren Unterhalt sorgen.  

Die Kinder im Kinderdorf sind zwar keine klassischen Waisenkinder, also Kinder, deren Eltern gestorben sind. Aber es sind Kinder deren Eltern sich nicht so um sie kümmern können, wie die Kinder es brauchen. Oftmals muss der Kontakt der Eltern zu den Kindern weitgehend unterbunden werden, um die Kinder zu schützen. Zumindest dürfen die Eltern nicht wissen, wo ihre Kinder untergebracht sind. 

Für die Kinder ist das eine belastende Situation. Stellt Euch vor, Ihr würdet von Euren Eltern getrennt und dürftet ihnen nicht sagen, wo Ihr seid. In aller Regel wünschen sich Kinder, bei ihren Eltern zu sein, wie schlimm die Verhältnisse zu Hause auch sein mögen. Gott sei Dank gibt es Hilfseinrichtungen wie das Kinderdorf. Sie können die Eltern nicht ersetzen, aber sie bieten den Kindern ein Zuhause. Gerade diese Kinder brauchen ein Zuhause, das ihnen Halt gibt. Insofern gilt Gottes Aufforderung, Waisenkinder zu unterstützen auch für sie. 

Gottes Aufforderung zur Solidarität mit den Schwachen und Benachteiligten findet sich aber nicht nur in der Hebräischen Bibel. Sie durchzieht die ganze Bibel, auch das Neue Testament wie ein roter Faden. In seiner Rede vom großen Weltgericht identifiziert sich Jesus selbst mit den Schwächsten in der Gesellschaft. „Was ihr getan habt, einem von diesen meinen geringsten Geschwistern, das habt ihr mir getan" sagt er. 

Dabei legt auch er ein besonderes Augenmerk auf die Kinder. Das ist für seine Zeit ziemlich ungewöhnlich. Als seine Jünger einmal Mütter abweisen wollen, die ihre Kinder zu Jesus bringen, damit er sie segne, fährt er sie an: „Lasst die Kinder zu mir kommen, denn ihnen gehört das Himmelreich." An anderer Stelle fragen sie ihn, wer der Größte im Himmelreich sein werde. Und wieder verweist er auf ein Kind. Er sagt: „Wer wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf." Der gleiche Gedanke wie beim Weltgericht, jetzt bezogen auf die Kinder. 

Der Apostel Paulus schließlich legt im Römerbrief ausführlich dar, dass wir Kinder Gottes sind. Das ist so, weil wir von Gott mit dem Glauben und dem Heiligen Geist beschenkt sind. Aus diesem Glauben und diesem Geist heraus können wir leben. Was uns von Gott und vom Leben geschenkt ist, lasst uns teilen. Das Kinderdorf, nimmt Kinder auf, die vom Leben benachteiligt sind. Lasst uns die Mitarbeitenden und die Kinder dabei unterstützen. Im Geist der Solidarität der Kinder Gottes. 

 

Arnold Glitsch-Hünnefeld