Uns wird ja gerne nachgesagt, dass unsere Generation wü rde alles mit ChatGPT machen würde.
Deshalb dachten wir: Fragen wir doch einfach mal nach einer Abschlussrede.
Das Ergebnis war grammatikalisch perfekt.
Sehr strukturiert.
Ziemlich inspirierend.
Und hä tte wahrscheinlich zu jeder beliebigen Schule gepasst.
Unsere Geschichte passt aber nur zu dieser Schule.
Und genau deshalb erzä hlen wir sie heute selbst.
Wir haben lange darüber nachgedacht, was wir sagen sollen. Wie man Worte findet, die sich gleichzeitig wie ein Abschied und wie ein Neuanfang anfühlen. Wie man dreizehn Jahre Schule in Worte fassen soll. Und schnell mussten wir feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. Denn für so etwas gibt es keinen Erwartungshorizont, keinen Bildungsplan, kein Arbeitsblatt mit der Überschrift „Das müssen Sie für eine gelungene Abschlussrede können.“, keinen Lehrer, der uns am Rand einen Kommentar schreibt, was wir noch verbessern können. Und leider gibt es auch keine Musterlösung.
Deshalb haben wir beschlossen, nicht darüber nachzudenken, wie eine Abschlussrede aussehen sollte. Sondern darüber, wie unsere Geschichte aussah. Und dafür haben wir unsere Stufe gefragt. Die Frage war ganz einfach – so, wie wir sie auch CHATGPT gestellt hätten – „Was ist eigentlich typisch für unsere Schule und was macht unsere Stufe aus?“
Ja, also die Antworten waren ganz interessant…
Überraschenderweise wurde als Erstes der See genannt.
Erst jetzt, in den letzten Wochen, als plötzlich jedes „zum letzten Mal“ eine Bedeutung bekommen hat, haben viele von uns angefangen, bewusst stehen zu bleiben. Noch einmal den Blick aufs Wasser. Noch einmal den Weg durchs Schloss. Noch einmal dieser Schulhof.
Noch einmal der Schulgong. Denn oft merkt man erst, wie schön etwas war, wenn man weiß, dass es bald vorbei ist.
Dann wurden die Fehltage genannt. Ja. Wir haben manchmal gefehlt. Und wahrscheinlich würden jetzt einige Lehrer zustimmend nicken. Aber ich glaube, dahinter steckt mehr als nur „keine Lust auf Schule“. Die Oberstufe war für viele von uns anstrengend.
Es gab Wochen, in denen Klausuren, Präsentationen, Abgaben und Lernen alles auf einmal kam. Wo man nach Hause kam und wusste: Jetzt geht der Schultag eigentlich erst richtig los. Und manchmal war man einfach müde. Nicht, weil man faul war. Sondern weil alles gleichzeitig kam. Manchmal haben wir Schule geschwänzt, um für die Schule zu lernen. Eigentlich ist das ein Satz, der überhaupt keinen Sinn ergeben dürfte. Und trotzdem beschreibt er die Oberstufenzeit und das Schulsystem erstaunlich gut.
Dann durfte natürlich ein ganz wichtiges Mitglied unserer Stufe nicht fehlen: ChatGPT. Natürlich haben wir CHATGPT benutzt.
Genauso wie Generationen vor uns Google benutzt haben, oder die Generation davor Bücher und Lexika. Aber Zeiten ändern sich eben und wir alle werden an der künstlichen Intelligenz nicht mehr vorbeikommen.
Ein weiteres großes Thema war natürlich das Handyverbot. Ja… Auch wir, die Oberstufe, obwohl viele von uns schon längst volljährig waren. Wir durften Auto fahren, wählen, Verträge unterschreiben. Aber unser Handy in der Pause benutzen… das war dann vielleicht doch etwas zu viel Freiheit. Aber gut… Wir durften uns ja nicht einmal selbst krankmelden.
Außerdem hatten wir offenbar ein etwas… kreatives Verhältnis zu Klausuren. Ich glaube, wir sind tatsächlich der einzige Jahrgang deutschlandweit, der tatsächlich einen Vertrag unterschreiben musste, dass wir nicht mehr spicken. Auch das muss man erst einmal schaffen??? Wenn man all diese Dinge hört, könnte man denken: Ja, genau so ist sie eben, die Generation Z.
Aber wenn wir an unsere Stufe denken, dann fällt uns etwas ganz anderes ein. Nicht unsere Handys. Nicht ChatGPT. Nicht die Fehltage.
Sondern unser unglaublich toller Zusammenhalt.
Liebes BG, wahrscheinlich können sich einige von uns nicht mehr an den ersten Schultag in der 5.Klasse erinnern – unsere Eltern können das aber wahrscheinlich ziemlich gut. Denn die würden sagen „das fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen“.
Und ganz ehrlich, es fühlt es für uns doch auch so an. Wenn wir uns zurück erinnern, als unser Schulranzen wahrscheinlich größer war als wir selbst und wir trotzdem mit Stolz sagen konnten: wir gehören jetzt auch endlich zu den Großen.
In der Eingangsklasse kamen wir alle von unterschiedlichen Schulen. Wir brachten unterschiedliche Wissensstände mit, und viele kannten am ersten Schultag kaum jemanden. Und plötzlich mussten wir zusammen drei Jahre verbringen. Nur wenige Wochen später saßen wir gemeinsam im Bus nach Österreich. Wobei die Busfahrt mindestens genauso lustig war, wie die eigentliche Zeit dort. Und dort war jedem schon klar: hier entwickelt sich etwas ganz Besonderes. Danach hatten wir unzählige Kurse zusammen. Wir sahen uns teilweise länger als die eigene Familie. Wir lernten gemeinsam. Wir verzweifelte gemeinsam. Wir warteten gemeinsam auf Noten, vor denen eigentlich alle Angst hatten. Und irgendwann waren wir nicht nur eine zufällig zusammengewürfelten Stufe, sondern wir waren eine Gemeinschaft, in der jeder jeden kannte.
An der Stelle auch ein dickes Dankeschön an unsere Lehrer. Irgendwann wurden aus Lehrern nicht mehr nur Lehrer, sondern Menschen, die nicht nur auf dumme Fragen immer eine Antwort wussten, sondern sich auch über die Aufsichtspflicht hinaus gut um uns gekümmert haben.
Am Tag des Abistreichs ist Caro und mir dann noch etwas Besonderes passiert. Wir waren gerade am Aufbauen, da hat ein ehemaliger Schüler mit dem Auto angehalten und uns angesprochen. Er hatte vor genau 30 Jahren genau hier sein Abitur gemacht und zufälligerweise hatte an diesem Wochenende sein Jahrgang Klassentreffen in Gaienhofen. Der Gedanke, dass Menschen, die vor dreißig Jahren hier saßen, wo wir heute sitzen, und sich heute immer noch treffen, war für uns bis zu diesem Zeitpunkt unvorstellbar.
Sie erzählen sich immer noch die alten Geschichten, lästern über den ein oder anderen Lehrer und lachten noch immer gemeinsam.
Wir wünschen uns, dass wir das auch schaffen, dass wir uns in dreißig Jahren genau hier wieder treffen und wenn wir euch hier alle so sitzen sehen, dann sind wir uns sicher, dass wir mit unserer Gemeinschaft und unserem Zusammenhalt das auch schaffen werden und wir freuen uns heute schon drauf.
Heute endet dieses Kapitel. Und ich glaube wir dürfen stolz sein. Und auch wenn wir uns in Zukunft wahrscheinlich nicht mehr jeden Morgen im selben Klassenzimmer sehen werden, nehmen wir etwas viel Wertvolleres mit als unser Abiturzeugnis: all die Erfahrungen, die Freundschaften und die Erinnerungen an eine Zeit, die uns geprägt haben. Ich wünsche uns allen, dass wir unseren eigenen Weg finden, neugierig bleiben und uns vielleicht in ein paar Jahren Wiedersehen, wie der Abijahrgang vor 30 Jahren. Heute feiern wir deshalb nicht einfach nur ein Zeugnis. Wir feiern, dass wir an unserem Ziel angekommen sind. Dass wir durchgehalten haben.
Dass wir gemeinsam gewachsen sind. Und vor allem feiern wir, dass wir heute alle hier sitzen und sagen können: Herzlichen Glückwunsch an uns alle – wir haben es geschafft.
Carolin Czioska, Charlotte Zeiher