Siehe, ich verkündige euch große Freude

Weihnachtsgottesdienst 2025

Wir wünschen allen Mitarbeitern, Schülern und Eltern ein friedvolles Weihnachtsfest.

Möge der Start ins neue Jahr 2026 unter dem Segen Gottes stehen.

„Tochter Zion freue dich“ haben wir gesungen. Freude ist ein Leitmotiv im Advent. Auch in anderen Liedern und Texten in diesem Gottesdienst. „Ich verkündige euch große Freude“ sagt der Engel zu den Hirten in der Weihnachtsgeschichte. „Joy to the world“ hat die Kantorei gesungen. Nicht nur zum Eingang dieses Gottesdienstes, sondern auch zum Auftakt der Weihnachtskonzerte am letzten Wochenende. Deren Motto war „Joy of Christmas“.

Der Advent ist eine Zeit der Vorfreude. Eine Zeit des Wartens auf die Freude des Weihnachtsfestes. Auf die Freude über die Geburt Christi. Und auch der Titel des Weihnachtsmusicals, das dieses Jahr an Heiligabend aufgeführt wird, ist „Freude, Freude“. Sich auf etwas freuen zu können, ist schon selbst eine Freude. Vorfreude lässt schon etwas von der Freude spüren, die noch bevorsteht.

Im Advent schaffen wir immer wieder Möglichkeiten, die Vorfreude zu erleben. Das Weihnachtskonzert hat – hoffentlich – nicht nur uns Singenden die Herzen mit Freude erfüllt. Lichter werden in die Dunkelheit gebracht. Der Adventskalender wächst von Tag zu Tag und verkürzt die Zeit des Wartens. Das Bild am Sonntag verbindet das Warten mit der Musik und der Vorfreude. „Advent feiern heißt warten können“ steht auf dem Bild.

Auch in diesem Jahr habe ich Bilder aus dem Adventskalender zur Vorbereitung dieses Gottesdienstes ausgesucht. Und Schüler*innen aus der 5d und aus dem Reli-Leistungskurs der J1 haben sich Gedanken dazu gemacht. Einige davon haben wir gehört.

Das Bild mit der Kerze hat viele Assoziationen ausgelöst. Die Kerze steht für Freude, für Hoffnung, für Licht in der Dunkelheit. Rein flächenmäßig macht das Dunkel gut die Hälfte des Bildes aus. Aber das Licht dominiert und zieht den Blick auf sich. Das Licht des Advents fällt in die Dunkelheit. Nicht nur in die dunkle Jahreszeit, sondern auch in eine dunkle Weltzeit. Damals wie heute. Zur Zeit vor Jesu Geburt litten die Menschen in Judäa und Galiläa unter der Besatzung der Römer. Heute werden immer noch Kriege geführt, weil einige Menschen immer mehr Macht wollen. In unserer Zeit dürfen in vielen Teilen der Welt Menschen nicht in Freiheit leben, leiden in vielen Teilen der Welt Menschen Hunger und droht das Gleichgewicht der Natur zu kippen. Und auch in unserer vergleichsweise freien, sicheren und wohlhabenden Gesellschaft machen sich Angst und Hass breit. Wir brauchen Lichter, die ins Dunkel scheinen, die Hoffnung und Orientierung bringen.

Die Erwartung des Kommenden drückt sich auch in einem Bild aus, das es nicht in den diesjährigen Adventskalender geschafft hat. Es ist noch nicht fertig geworden. Gerade deshalb passt es gut zum Thema „Erwartung“. Zu sehen ist ein Feld, das noch im Dunkeln liegt. Wenn man genau hinschaut, kann man am rechten Bildrand einen Wegweiser erkennen, auf dem „Bethlehem“ steht. Dorthin sollen die Hirten in der Heiligen Nacht kommen. „Goin‘ to Bethlehem“.

Noch ist es nicht soweit. Oder doch? Einer Schülerin aus der 5d ist aufgefallen, dass der Stern am Himmel steht. Und wenn man ganz, ganz genau hinschaut, ist neben dem Baum die Silhouette eines Engels zu erkennen. Vielleicht sind also die Hirten schon auf dem Weg. Auf dem Weg, der durch die Geburt Jesu den Weg zu Gott und ins Paradies bedeutet, wie ein Schüler aus der J1 geschrieben hat. In diesem Bild ist also in seinem vorläufigen Zustand die Zeit nicht ganz eindeutig. Ist es noch die Zeit der Erwartung im Dunkel von Fremdherrschaft und Ungerechtigkeit? Oder schon die Zeit der Erfüllung in der Geburt Jesu?

Die Zeitebenen mischen sich auch in einem weiteren Bild. Und dort offenbar ganz bewusst. Das ist auch zwei Schülerinnen der J1 aufgefallen. Ein Wohnzimmer in einem normalen Haus in unserer Zeit. Plätzchen auf dem Kamin und eine Krippe auf dem Sims weisen darauf hin, dass es ein weihnachtliches Zimmer ist. Der Blick aus dem Fenster geht allerdings direkt in den Stall mit der Krippe. Die Geburt Jesu ist Gegenwart. Genau das passiert an Weihnachten und auch schon im Advent. Wir vergegenwärtigen uns die Zeit der Geburt Jesu. Wir stellen uns an die Krippe Jesu und feiern mit den Hirten seine Geburt. Diese Geschichte ist auch unsere Geschichte. Jesu Geburt ist eine Freudenbotschaft auch heute und für uns.

So tut sich ein großer zeitlicher Horizont auf. Und der wird noch größer, wenn wir die Verheißungen der Propheten dazu nehmen, die Christen auf Jesus beziehen. So wie die des Propheten Sacharja. „Freue dich sehr Tochter Zion! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Retter ist er.“ Und dieser König wird Frieden stiften unter den Völkern. Diese Worte stammen ebenfalls aus einer dunklen Zeit, einige Jahrhunderte vor der Geburt Jesu. Auch damals lebten die Menschen in Juda unter Fremdherrschaft und sehnten sich nach Gerechtigkeit und Frieden. Beides verheißt der Prophet.

Dieser König wird nicht hoch zu Ross kommen, sondern auf einem Lasttier, einem Esel reiten. Diese Verheißung wird beim Einzug Jesu nach Jerusalem aufgenommen. Jesus reitet auf einem Esel, auf dass das Wort des Propheten erfüllt wird. Das vergegenwärtigen wir uns an Palmsonntag. Noch einmal eine neue Zeitebene: Der Advent und Jesu Weg zum Kreuz verbinden sich. Im Adventslied „Wie soll ich dich empfangen“ heißt es in der zweiten Strophe: „Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin. Und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn.“

Deshalb ist es auch nicht unpassend, dass in einzelnen Adventsbildern das Kreuz auch schon auftaucht. Drei Kreuze stehen auf dem Dach des Stalls. So wie die drei Kreuze auf dem Hügel Golgatha, wo Jesus hingerichtet wurde.

Und dann dieses strahlende Kreuz. Zwei Schüler aus der 5d erkennen neben dem Kreuz einen Hirten, der Gott anbetet. Wieder verändert sich der Eindruck, wenn man genau hinschaut. Der Mann hat Nägelmale in den Handflächen. Es ist der auferstandene Christus selbst. Seine Zeit auf der Erde endet nicht mit dem Tod am Kreuz. Sondern seine Geschichte geht mit der Auferstehung weiter. Bis in unsere Gegenwart. Er hat den Tod und das Dunkel überwunden. So strahlt selbst vom Kreuz Licht in unsere Dunkelheit. Und folgerichtig schreibt eine Schülerin aus der 5d, dass sie Freude und Friede in dem Bild erkennt.

Deutlich wird, dass Gottes Wirken in der Welt oft anders ist, als erwartet. Der im Advent erwartete Retter kommt in einem ärmlichen Stall auf die Welt. Der König der Welt reitet auf einem einfachen Esel. Er verzichtet auf Statussymbole und Militärparaden, die heutigen Mächtigen oft so wichtig sind. Der verheißene Christus stirbt wie ein Verbrecher am Kreuz. Und der Hingerichtete durchbricht den Tod und schenkt Leben und Hoffnung.

Manche Erwartung wird auch dieses Bild irritieren. Die heilige Familie als Persons of Colour. Schüler aus der J1 haben erkannt, dass das der historischen Wahrscheinlichkeit wohl näher ist als viele klassische Darstellungen. Für sie ist allerdings entscheidender die Freude, die das Bild ausstrahlt. Die Freude der Eltern über dieses Kind. Klein und verletzlich ist es. In ihm kommt Gott in unsere Welt und überwindet die Dunkelheit, die auch diese Szene wieder umgibt.

Das Licht, das mit Jesus in die Welt kommt, will auch uns anstecken. „Siehe ich verkündige euch große Freude.“ Freude für uns und für alle Welt. Die Freude ist Auftrag, sie weiterzugeben und füreinander da zu sein. Damit Gott in der Höhe die Ehre gegeben werde und Friede auf Erden sich ausbreiten kann.

Bilder, Bibeltexte und Lieder haben einen weiten Horizont eröffnet. Sie spannen einen Bogen, der über das Dunkel – damals wie heute – hinausgreift. Der Horizont gibt den Blick frei auf Hoffnung und Licht gegen alles Dunkel. Lassen wir uns von diesem Licht und seiner Freude anstecken. Lasst uns Kinder des Lichts sein und das Licht in die Welt tragen.

Amen.

Arnold Glitsch-Hünnefeld