„Handle with Care“
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Foto KI-generiert
Auf Kartons findet sich gelegentlich ein Aufkleber mit dem Hinweis „handle with care“. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass der Inhalt zerbrechlich ist und der Karton entsprechend vorsichtig behandelt werden sollte. Das englische Wort „Care“ kann viele Bedeutungen haben. Häufig steckt in den deutschen Übersetzungen das Wort Sorge. Beispiele sind „Sorgfalt“, „Sorgsamkeit“, „für jemanden sorgen“.
In der Bibel wird ambivalent mit dem Sorgen umgegangen. In der Bergpredigt sagt Jesus seinen Zuhörer:innen „Sorgt euch nicht“ und wertet ihre Sorge als mangelndes Vertrauen. Andererseits ist die Josefsgeschichte ein Beispiel für kluge Vorsorge angesichts drohender Hungersnöte.
Auch in den deutschen mit „Sorge“ gebildeten Begriffen gibt es zwei Seiten. Auf der einen Begriffe, die ausdrücken, dass Sorgen bedrücken können: „Besorgt sein“, „sorgenvoll“, „Sorgenfalten“. Auf der anderen Seite Worte, in denen das Sorgen wertgeschätzt wird: „Sorgfalt“ (was etwas anderes ist als der Singular von Sorgenfalten), „Vorsorge“, „Fürsorge“ und anderes mehr.
In der erwähnten Stelle aus der Bergpredigt geht es um ein Sorgen im ersten Sinn: Es geht um Menschen, die sich um sich selbst und ihre Zukunft sorgen, ein Für-Sich-Selbst-Sorgen – möglicherweise auf Kosten anderer. Diese Haltung kritisiert Jesus. Dagegen setzt er das Streben nach dem Reich Gottes und dessen Gerechtigkeit. Und da steckt die andere Seite des Sorgens drin. Zur Gerechtigkeit gehört, für andere zu sorgen, die Hilfe brauchen. Wenn alle Menschen so füreinander sorgen würden, bräuchten sich die Menschen keine Sorgen mehr machen – oder zumindest deutlich weniger.
Noch ist es allerdings nicht so weit. Noch gibt es viele Sorgen, die Menschen belasten. Hier bei uns sind das eher nicht Sorgen um ausreichend Nahrung und Kleidung. Dafür haben viele von Euch (und uns) andere Sorgen: Sorge um den Zustand der Gesellschaft oder der Welt, Sorge, den schulischen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, Sorgen aus familiären Gründen und vieles andere mehr. Diese Sorgen sucht sich niemand aus, sondern sie sind da und sie belasten. Da ist es wenig hilfreich, sie als mangelndes Vertrauen zu kritisieren und dazu aufzufordern, sich einfach nicht zu sorgen.
Wie kann man umgehen mit dem, was einem schwer auf der Seele liegt? Im ersten Petrusbrief findet sich die Ermutigung, seine Sorgen Gott anzuvertrauen: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1.Petr 5,7) Hier werden die Sorgen nicht als Kleinglauben kritisiert, sondern als belastend ernst genommen. Und es gilt das Angebot, diese Last bei Gott ablegen zu dürfen.
Manchmal hilft es, erst einmal anzuerkennen, dass man eine Last nicht allein und aus eigenen Kräften bewältigen kann. Es kann helfen, auszusprechen, was einen belastet. Bei den Worten „all eure Sorge werft auf ihn“ mag man an ein Gebet denken. Das ist eine gute Möglichkeit. Es kann aber auch helfen, sich einem anderen Menschen anzuvertrauen.
„Er sorgt für euch.“ Wie kann ich mir das konkret vorstellen? Im Fall von Nahrung und Kleidung erlebe ich, dass ich gut versorgt bin. Ich erlebe auch in vielen anderen Bereichen, dass Gott für mich sorgt: Dass ich in einem relativ sicheren Land lebe, dass ich einer Arbeit nachgehen kann, die mich erfüllt, dass ich von Menschen umgeben bin, denen ich vertrauen kann, und vieles mehr.
Ich bin davon überzeugt, dass Gott mir insbesondere in Menschen begegnet. Menschen, die sich um mich sorgen, die für mich sorgen, die sorgsam mit mir umgehen. Darin wird für mich spürbar „er sorgt für Euch“. Deshalb ist es mir so wichtig, dass wir in der Schule sorgsam miteinander umgehen. Dass wir offene Augen und Ohren dafür haben, wenn Menschen um uns herum belastet sind. Dass wir psychische Probleme nicht kleinreden oder lächerlich machen. Dass wir einander so begegnen, wie es Gottes Fürsorge für uns entspricht. So als hätte jede und jeder von uns einen Sticker auf der Stirn: „Handle with Care“.
Arnold Glitsch-Hünnefeld