Erfolg hat man nie alleine

Realschulabschlussfeier 2026

In einer gottesdienstlichen Feier entließ die Evangelische Schule Schloss Gaienhofen am Samstag ihre 29 Realschulabsolvent:innen. Im Mittelpunkt der Zeugnisübergabefeier stand das Thema, das die Schulzeit geprägt hat: Gemeinschaft — als Halt, Lernraum und Auftrag für die Zukunft. Jahrgangsbeste ist Rebecca Markert mit einem Schnitt von 1,3.

Wir gratulieren herzlich allen Absolvent:innen zum bestandenen Realschulabschluss.

„Ihr wart / wir waren eine Gemeinschaft auf Zeit“, sagte Schulpfarrer Arnold Glitsch‑Hünnefeld in seiner Ansprache. Er erinnerte an die Mittwochsandacht der Abschlussklasse, in der die Jugendlichen sich mit Abschied und Aufbruch beschäftigt hatten. Anhand eines Jesaja‑Zitats rief er zur Zuversicht auf: „Siehe, ich will ein Neues schaffen…“ Zugleich würdigte er die sozialen Verbindungen als ein Band, das über den Schulalltag hinaus Wirkung entfaltet.

Larisa Maras, Leiterin der Realschule, betonte die Verantwortlichkeit der jungen Menschen: Nach Fleiß und Beständigkeit öffne sich nun eine Tür zu vielen Möglichkeiten. Angesichts globaler Herausforderungen legte sie den Absolvent:innen die Mitgestaltung der Gesellschaft ans Herz und zitierte als Leitgedanken Rita Süssmuth: „Diese Welt ist zu schön, um sie den Wahnsinnigen zu überlassen.“

Maras lobte die Klasse für ihr Engagement, ihre Offenheit und Zuverlässigkeit und richtete die Bitte an die Absolvent:innen, ihre Stimmen zu erheben und solidarisch zu handeln. Eine solche Haltung des sozialen Miteinanders hatten die Schüler:innen zum einen in zahlreichen Projekten unter Beweis gestellt, wie bspw. die Smartphone‑Sprechstunde für Senioren.

Andererseits zeigte sich der Gemeinschaftsgedanke auch im Umgang der Schüler:innen untereinander und mit ihren Lehrkräften, was sich in mehreren Würdigungen von Schüler:innen manifestierte, deren Engagement für die Gemeinschaft hervorgehoben wurde. Die Schüler:innen hatten darüberhinaus für ihre Lehrkräfte ein persönliches Abschiedsgeschenk vorbereitet, das sie im Rahmen ihrer Abschlussrede überreichten.

Bürgermeister Jürgen Maas zitierte in seiner Ansprache den Fußballers Thomas Müller: „Erfolg hat man nie alleine“ – eine Aussage, die die Bedeutung von gemeinschaftlichem Handeln im schulischen und gesellschaftlichen Kontext auf den Punkt bringt.

Die Botschaft des Abends war klar: Abschied ist ein Schritt nach vorn, getragen von dem, was gemeinsam gewachsen ist. Die Gemeinschaft habe den Abschluss möglich gemacht — und sie könne zugleich Anlass und Kraftquelle sein, um die Welt verantwortungsvoll mitzugestalten.

Allen ein herzliches Willkommen zur Realschulentlassfeier 2026 an unserer Schule Schloss Gaienhofen! 

 Zu diesem Anlass begrüßen wir unsere 29 Absolventinnen und Absolventen mit deren Familien, Gaienhofens Bürgermeister Herrn Maas, Frau Schmitz und Herrn Haas als Vertreter des Freundes- und Förderkreises unserer Schule, unseren Schulleiter Herrn Dr. Schumacher, sowie unsere stellvertretende Schulleitern Frau Bischofberger und unsere Kolleginnen und Kollegen der 10c sowie weiteren Bereichen unseres Schullebens. Danke für Euer und Ihr Kommen.  

 Liebe Absolventinnen und liebe Absolventen der 10c,  

heute feiern wir euch und eure bestandene Realschulprüfung und wir beginnen mit einem großen Applaus euch zu Ehren! 

Genießt den Tag in vollen Zügen in dem Wissen, was ihr durch Beständigkeit und Fleiß erreicht habt – eine Tür zu unzähligen Möglichkeiten eurer persönlichen und beruflichen Entwicklung habt ihr geöffnet – und ich bin froh über junge Menschen wie euch, über eure Ideen, eure Visionen und eure Tatkraft.  

Unsere Welt scheint an manchen Stellen chaotisch, manchmal hoffnungslos und voller Probleme. Kriege, Klimakrise, die Gefährdung unserer Demokratie und soziale Ungleichheiten beherrschen die Nachrichten und unsere Gedanken.  Das überfordert uns und man fragt sich, was zu tun ist und nicht selten, ob und wie überhaupt Veränderung möglich ist.  

 In solchen Momenten hilft mir manchmal ein Satz von Rita Süssmuth, den ich euch mit auf euren zukünftigen Weg geben möchte: „Wir sind nicht ohnmächtig, Veränderung zum Besseren ist möglich. Diese Welt ist zu schön, um sie den Wahnsinnigen zu überlassen.“  

Diese Aussage ist so aktuell, wie selten zuvor und da wir uns häufig auf das Negative fokussieren, jedoch zu wenig die Möglichkeiten zu Verbesserungen um uns herum sehen, lege ich euch diese Gedanken heute besonders ans Herz. Lasst uns das Schöne sehen und lasst uns Wege zu Lösungen finden. 

 Ihr fragt euch, von wem ich spreche? 

Hier geht es nicht um Parteipolitisches, es geht um Ideen, die gesellschaftsprägend sein können. Süssmuth, die Anfang Februar diesen Jahres im Alter von 88 Jahren verstorben ist, war eine streitbare deutsche Politikerin, von 1988 bis 1998 Bundestagspräsidentin, zuvor Ministerin für Jugend, Familie, Gesundheit und Frauen. Sie war für viele Politikerinnen und Politiker unbequem, denn sie war eine Vorreiterin Ihrer Zeit, Kämpferin für gesellschaftliche Verbesserungen, wie etwa die Gleichberechtigung von Mann und Frau, sie war u.a. an der Einführung des Erziehungsgeldes beteiligt, sie machte sich für die Wahlfreiheit von Frauen zwischen Familie und Beruf stark. Sie engagierte sich darüber hinaus für HIV-Infizierte und Aids-Kranke getreu Ihrem Credo: „Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Infizierten.“  

Ich denke, wir sollten uns diese Sichtweise im eigentlichen und übertragenen Sinne zu eigen machen und darüber nachdenken, wie wir Armut und Missstände bekämpfen können, nicht die Menschen, die davon betroffen sind. Überlegen, wie wir uns für das Wohl von uns allen einsetzen, nicht wie wenige Reiche noch reicher werden können.  

 Das würde Süssmuth gefallen, kämpfte sie unermüdlich für eine gerechtere, modernere, weltoffenere, sozialere Gesellschaft, häufig zum Missfallen ihrer eigenen Partei. Sie wollte alles dafür geben, so Süssmuth in einem Interview selbst, dass es der Gesellschaft besser gehe. Sie selbst zitierte gern Samuel Beckett: „Scheitern, weitermachen, nochmal scheitern, besser scheitern, weitermachen“. Und glaubt mir, diese Einstellung ist hilfreich im Laufe eines Lebens, sie kann zum Antrieb werden und somit ein mögliches Erstarren ob vieler Herausforderungen verhindern.  

 Ich möchte euch heute gerne dazu motivieren euch mehr mit Kämpferinnen und Kämpfern für demokratische und soziale Werte zu beschäftigen, euch von ihren Erfahrungen anspornen zu lassen.  

Mehr denn je brauchen wir Menschen, die sich der Solidarität und Hilfe für die Schwächeren in der Gesellschaft verschreiben. Mehr Menschen, die die „Werkstatt der Demokratie“ – wie Süssmuth den Bundestag nannte – und bspw. die Demokratie selbst schützen und stärken. 

Warum ich gerade euch das erzähle?  

Ich habe so viel Gutes über eure Klasse vernommen, viel über euren – auch außerunterrichtlichen – Einsatz gehört, eure Offenheit und Freundlichkeit erlebt, eure Zuverlässigkeit und Genauigkeit.  

Ich erzähle davon, da ich Hoffnung in euch setze, da ich davon überzeugt bin, dass ihr nie ohnmächtig sein müsst und wir uns von Vorbildern Mut und Inspiration abschauen können – denn ihr sollt keine Zuschauer sein – sondern Gestalterinnen und Gestalter!  

 Ich betone die Hoffnung in euch und den Glauben an euch, da ich weiß, dass junge Menschen oft unterschätzt werden, sie nicht immer gesehen werden.  

 Vielleicht lasst ihr im Nachgang diese Überlegungen in euch wirken und reifen, setzt euch mit euren Wünschen und Zielen für die Zukunft auseinander.
Überlegt, wie man Entwicklung und Veränderung in Gang bringen kann, mit wem ihr euch verbünden und gestalten könnt, v.a. wie ihr euren Stimmen mehr Gehör verschafft, denn nichts wird sich bessern, wenn alle schweigen oder warten.  

 Euer Abschluss ist nicht nur ein Zeugnis, es ist eines der Werkzeuge auf dem Weg des Gestaltens. Eure Stimmen zusammengenommen bringen vielfältige Perspektiven und Ideen in die Welt. Euch zusammen zu schließen kann erste kleine Berge versetzen, später vielleicht auch große, bestimmt entscheidende. Junge Menschen wissen, wie sie andere Jugendliche mobilisieren können. Und die Forschung zeigt: engagieren sich junge Menschen in der Gesellschaft, wird die Entscheidungsfindung oft gerechter und repräsentativer, Gemeinschaften erfahren Stärkung und im Idealfall Stabilität.  

 Kehren wir zum Schluss zum Ausgangszitat zurück: Veränderung ist möglich und ihr müsst nicht perfekt sein, um zu starten, komplett erwachsen sein oder euch so fühlen, um einen Unterschied zu machen. 

Gebt diese Welt und diese Gesellschaft nicht auf. Vergesst das Schöne nicht, verliert eure Neugier nicht. Macht Fehler, lernt daraus und macht weiter.  

 Zum Schluss bleibt mir euch alles erdenklich Gute zu eurem Abschluss und alles Gute für euch und eure Familien zu wünschen. 

Mögen euch Gesundheit, Leichtigkeit, Beharrlichkeit, Freude und Gemeinschaftssinn auf eurem Wege niemals fehlen.  

Möget ihr an euch glauben und stets von Menschen umgeben sein, die das ebenso tun.  

Möget ihr dort sein, wo es richtig anfühlt.  

Ich möchte mich im Namen der Schule bei allen bedanken, die dazu beigetragen haben, dass wir heute diesen Abschluss feiern können.  

Ich bedanke mich besonders beim Freundes – und Förderkreis der Schule, der viele unserer Schülerinnen und Schüler unterstützt, Möglichkeiten schafft und Netzwerke lebendig hält und bspw. die Getränke unseres Sektempfangs übernimmt.  

Ich danke Herrn Glitsch-Hünnefeld für seine Impulse, den Lehrkräften für ihren Einsatz und ihre Beharrlichkeit, der neuen Schulleitung für Ihr Vertrauen und Anpacken, den Sekretärinnen und Verwaltungskräften, den FSJlerinnen, den Hausmeistern, Reinigungs- und Küchenkräften – mit euch ist alles möglich.  

Ich danke von Herzen unserem Siggi Schmidgall, ohne den ich mir diese Schule einfach nicht vorstellen kann. Lieber Siggi, du bist der Beste! Musikalisch, menschlich, auf allen Ebenen ein Vorbild und eine Bereicherung. Für die Zukunft dir nur das Beste! 

 L. Maras, 17. Juli 2026