Mentale Gesundheit 

Mittwochsandacht_online

Die Andacht heute markiert den Startschuss für das Care Team an unserer Schule. Wir werden es Euch im Anschluss vorstellen. Zusammen mit dem Projekt „Mental Health Peers" ist das Care Team Teil eines größeren Konzepts, das sich der „Mental Health" an unserer Schule widmet. Aber was ist das überhaupt: „Mental Health", also mentale Gesundheit? 

 

Danger Dan macht sich in dem Lied, das wir zum Eingang gehört haben, seine ganz eigenen Gedanken dazu. Er beschreibt, dass er sich irgendwie nirgends zugehörig fühlt. Und da hilft es auch nicht, dass er alle möglichen Dinge versucht hat, die die psychischen Wellness-Ratgeber so empfehlen. Vielleicht kennt Ihr ähnliche Gefühle ja auch. „Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut." „Ich weiß, was andere von mir wollen – aber will ich das auch?" „Ich weiß nicht, wo ich hingehöre." 

Ich denke, das sind Fragen, die nicht mit dem Verstand zu lösen sind. Der, der das singt, ist ja nicht geistig minderbemittelt. Im Gegenteil: Danger Dan ist ein intelligenter und kreativer Zeitgenosse. Musik ist ja bekanntlich Geschmackssache, aber ich finde ihn ziemlich gut. 

Mitten in dem Lied ist da die Zeile: „Ja, wenn ich keine Therapie machen würde, würd ich die mir ja selber auch empfehl'n, aber da geh' ich schon hin". Ein relativ cooler und anerkannter Typ macht also Therapie. Ich übrigens auch. Ich finde es gut, dass der Sänger kein Tabu daraus macht. Es ist nicht uncool, sich Hilfe zu suchen, wenn man sich nicht gut fühlt. 

Danger Dan geht in dem Lied noch weiter. Ein gewisses Unwohlsein, ein Unbehagen an den Zuständen, ist nicht für ihn nur nicht uncool, sondern sogar ein Ausweis mentaler Gesundheit. „Wer verzweifelt und zerbricht, ja, der ist aus meiner Sicht noch gesünder im Gehirn als jene, die funktionier'n."  

Zu einem Teil kann ich das nachvollziehen. Wer am Zustand der Welt nicht leidet, ist abgestumpft oder verschließt die Augen vor der Wirklichkeit. Leiden als Ausweis von gesunder Sensibilität. In der Bergpredigt sagt Jesus: „Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden." und „Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden." Beides hängt miteinander zusammen. Leiden an der Welt, Sehnsucht nach Gerechtigkeit und die Verheißung von Trost.  

Auch der Schluss, den Danger Dan am Ende zieht, passt überraschenderweise zu einem christlichen Selbstverständnis. „Ja, ich such' lieber lebenslang und komm' nirgends richtig an, guck' für immer in die Fern, als hier dazuzugehör'n" heißt es in dem Lied. Und im Hebräerbrief steht: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir." Sich nicht mit dem Unrecht der Welt zu arrangieren, sich daran zu reiben und daran zu leiden, ist also gut und richtig. 

Trotzdem würde ich nicht so weit gehen zu sagen „Wer mit sich selbst im Reinen ist, der ist ganz bestimmt verrückt; wer inneren Frieden spürt, der hat einfach resigniert". Innerer Frieden, mit sich selbst im Reinen sein, das ist wichtig und erstrebenswert. In denselben Seligpreisungen, von denen wir schon zwei gehört haben, sagt Jesus auch: „Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen."  

Eine Seele, die sich nur reibt und nur leidet, wird wund. Daran kann ein Mensch verzweifeln und zerbrechen. Und an der Stelle würde ich Danger Dan widersprechen: Das ist keine notwendige Voraussetzung für Gesundheit im Gehirn. Sondern Menschen, die verzweifelt und am Zerbrechen sind, brauchen Hilfe. Es wäre falsch, mentale Belastungen zu romantisieren oder zu überhöhen. Seelisches Wohlbefinden ist ein guter Zustand und heißt nicht automatisch abgestumpft zu sein. Jesus selbst lädt Menschen ein, die sich nach seelischem Wohl sehnen: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen." 

Wenn ich seelisch belastet bin, wenn ich mich mental überfordert fühle, dann wünsche ich mir jemanden, wo ich hinkann. Das kann meine Therapeutin sein. Aber bei der habe ich halt feste Termine. Das kann Gott sein, an den ich mich im Gebet wende. Und das können Menschen in meinem Umfeld sein. Mit Danger Dan: „Zusamm'n ist das irgendwie schön". 

Damit sind wir wieder beim Thema „Mental Health" an unserer Schule. Es ist gut, wenn wir alle – Schüler*innen und Lehrer*innen – sensibel dafür sind, wenn es anderen nicht gut geht. Wenn wir dann nicht mit unpassenden Sprüchen oder hohlen Phrasen reagieren, sondern zuhören. Einige von Euch werden sich vor den Ferien zu „Mental Health Peers" ausbilden lassen. Ihr werdet Eure Sensibilität schärfen und Ideen bekommen, was gut tut. Ihr werdet aber keine kleinen Therapeut*innen werden.  

Das sind auch wir, die Mitglieder des Care Teams, nicht. Aber wir haben ein offenes Ohr für Euch, wenn ihr seelisch belastet seid. Wir nehmen uns Zeit, hören Euch zu und suchen mit Euch nach Lösungen. Das kann auch heißen, dass wir mit Euch nach Fachleuten suchen, die Euch weiterhelfen können. 

Dass uns das Thema „Mental Health" am Herzen liegt, hat etwas damit zu tun, dass Ihr uns am Herzen liegt. Und es hat auch etwas damit zu tun, dass wir an unserer Schule versuchen, etwas von unserem christlichen Glauben zu leben. Wie Paulus schreibt: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen." 

 

Arnold Glitsch-Hünnefeld 

 

Danger Dan: Die meisten meiner Freunde