„Ditch New Year’s Resolutions“?

Mittwochsandacht_online

anncapictures / pixabay

Wisst Ihr, welcher Feiertag am kommenden Samstag ist? Dem 17. Januar? Nicht? Bis vor ein paar Tagen wusste ich das auch nicht. Es ist der „Ditch New Year’s Resolutions Day“. Den kennt Ihr nicht? Wie gesagt: Das ging mir bis kürzlich genauso. Bis ich im Trailer für ein Fernsehmagazin darauf aufmerksam wurde.

Der „Ditch New Year’s Resolutions Day“ ist der Tag, an dem man seine zu Silvester gefassten guten Vorsätze für das neue Jahr über Bord wirft. Das ist natürlich kein offizieller Feiertag, sondern eher ein Scherzfeiertag aus dem Internet. Dahinter steht die Erfahrung, dass viele gute Vorsätze nicht viel länger als den halben Januar durchgehalten werden. Der Veganuary, also der Januar, in dem man sich nur vegan ernährt, wird so zum Veganhalfjanuary. Klingt natürlich nicht so gut.

Ich habe mich jedenfalls zurückgelehnt und gegrinst, als ich gehört habe, dass die meisten Neujahrsvorsätze kaum einen halben Monat halten. „Wie gut, dass ich keine guten Vorsätze zum Jahreswechsel gefasst habe“ habe ich mir gedacht. Und für einen Moment bin ich mir ungeheuer klug vorgekommen.

Dann bin ich innerlich einen Schritt zurückgetreten – oder von meinem hohen Ross heruntergestiegen – und habe mich gefragt: Sind gute Vorsätze denn so falsch? Will ich mir wirklich gar nichts mehr vornehmen? Will ich mich nicht mehr verändern? Will ich für den Rest meines Lebens so bleiben, wie ich jetzt bin? Dafür bin selbst ich zu jung. Und Ihr erst recht. Ich will mir noch Ziele setzen. Und Vorsätze sind eigentlich nichts anderes.

Also geht es vielleicht um den willkürlichen Termin? Ist es möglicherweise nur unsinnig, die Vorsätze ausgerechnet zum Jahreswechsel zu fassen? Schließlich wäre jeder andere Tag im Jahr genauso möglich. Das stimmt natürlich. Und ich setze mir ja auch unterm Jahr Ziele, wenn es sich ergibt. Aber manchmal braucht es Rituale, um sich selbst einen Schubs zu geben. Und der Jahreswechsel bietet sich durchaus an, um Rückschau zu halten, Bilanz zu ziehen und sich zu überlegen, was im kommenden Jahr vielleicht anders laufen soll.

Aber warum klappt es dann mit den Vorsätzen so sprichwörtlich schlecht, dass die Idee für den Ditch New Year’s Resolutions Day aufgekommen ist? Warum gilt die Umsetzung als so unrealistisch, dass ich erst gar keine guten Vorsätze mehr fasse? Vielleicht liegt es daran, dass die Vorsätze nicht passen. Weil sie zu anspruchsvoll sind. Weil es zu viele sind und man sich verzettelt. Oder weil sie mir nicht wirklich wichtig sind. Ein Veganuary mag aktuell angesagt sein, aber er ist nicht mein persönliches Ziel. Schon eher wäre mir wichtig, meinen Fleischkonsum noch weiter zu reduzieren. Das aber dann dauerhaft und nicht nur einen Monat lang.

Vielleicht lohnt es sich, sich einmal in Ruhe Zeit zu nehmen und zu überlegen, was denn ein wirklich erstrebenswertes Ziel wäre. Wenn es mir wichtig genug ist und darüber hinaus auch einigermaßen realistisch, dann lässt meine Motivation vielleicht nicht schon Mitte Januar nach.

Ein bisschen anspruchsvoll darf es übrigens durchaus sein. Ein Ziel, das ich eigentlich schon erreicht habe, ist kein Ziel. Es ist nicht falsch, sich ab und zu herauszufordern.

Aber beißt sich da die Katze nicht in den Schwanz? Kann ich mich denn überhaupt verändern? Ich bin doch ich und bleibe das auch – oder? Einerseits ja. Ihr alle seid Persönlichkeiten mit ganz eigenen Charaktereigenschaften. Und das ist gut so. Es ist wichtig, dass Ihr Euch selbst annehmen und liebhaben könnt. Gott tut das auch. Er nimmt Euch an und hat Euch lieb.

Und trotzdem gibt es Dinge, die Ihr vielleicht verändern wollt. Bereiche, wo Ihr noch wachsen oder besser werden wollt. Vielleicht die eine oder andere Angewohnheit, die ihr ablegen wollt. Und ja, das ist nicht immer einfach. Da ist es gut zu wissen, dass wir das nicht allein schaffen müssen.

Die Jahreslosung für dieses Jahr heißt: „Gott spricht: Siehe ich mache alles neu.“ Gott kann Veränderungen schaffen, selbst da, wo wir sie für unmöglich halten. Das gilt für das Weltgeschehen. Das gilt für die Neuschöpfung am Ende der Zeit, worauf sich die Jahreslosung zuerst einmal bezieht. Und das gilt auch für uns ganz persönlich. Gott kann das und tut das, weil er ein lebendiger Gott ist. Er ist der eine und treue Gott, auf den wir uns verlassen können. Und er ist der lebendige Gott, dem keine Veränderung fremd ist, der uns in unseren Veränderungen begleitet und der uns verändern kann: „Siehe, ich mache alles neu.“

Im Vertrauen auf ihn, lasst uns uns selbst und uns einander annehmen, so wie wir sind, und lasst uns Veränderungen angehen, die notwendig oder uns wichtig sind. Ohne uns zu überfordern und ohne uns zu verzetteln. Gott hilft uns dabei.

Arnold Glitsch-Hünnefeld