Schloss Gaienhofen – Aufbaugymnasium



Das Aufbaugymnasium erweitert das Konzept der individuellen Bildungswege an der Evangelischen Schule Schloss Gaienhofen, indem es für AbsolventInnen des Gymnasiums oder der Realschule offen steht. Die SchülerInnen müssen sich hierbei nicht auf eine bestimmte berufliche Richtung festlegen – eine Entscheidung, die vielen Jugendlichen noch schwerfällt. Vielmehr steht den SchülerInnen in der anschließenden Kursstufe das breitgefächerte Spektrum der Leistungs- und Basisfächer eines Gymnasiums offen.

Fordern und Fördern

In der 11. Klasse wird zunächst Wert auf eine sukzessive Angleichung der Lernvoraussetzungen gelegt. Individuelle Unterstützungsangebote in Mathematik und Englisch gewährleisten, dass methodische, inhaltliche und fachspezifische Grundlagen gefestigt und ergänzt werden können.
Alle SchülerInnen des Aufbaugymnasiums erhalten eine persönliche Lernbegleitung durch Fachlehrer, die sich Zeit für regelmäßige Coaching-Gespräche nehmen. Profilfächer (Musik, Kunst oder Sport) bereiten die SchülerInnen bestmöglich auf die Oberstufe vor. Eine schrittweise Hinführung zum selbst organisierten Lernen ist dank der Lernlandschaften mit Einzel- und Gruppenarbeitsplätzen im historischen Schloss oder im „Lern- und Medienhaus“ möglich.

Mit dem Aufbaugymnasium folgt die Evangelische Schule am Bodensee einem vielfach von Eltern und SchülerInnen geäußerten Wunsch, die allgemeine Hochschulreife innerhalb von neun Jahren zu erlangen – nicht nur im hauseigenen WG oder SG, sondern auch über das Aufbaugymnasium.

ZUM BEWERBUNGSVERFAHREN

Individuelles Lernen coachen

Da Jugendliche bei uns zunehmend selbstständig und eigenverantwortlich lernen, finden Coaching-Gespräche (Individuelles Lernen Coachen, kurz: ILC) zwischen den Lernenden und Lehrenden statt, um die Heranwachsenden in ihrer Entwicklung zu begleiten. Dabei werden sie als Persönlichkeiten mit ihren Stärken und Schwächen wahrgenommen.

Individuelles Lernen bedeutet für uns, Schüler nicht nicht nur in schwierigen Lebensphasen zu unterstützen, sondern sie zu stärken, Herausforderungen annehmen zu können. (Anm. zur Gestaltung: hervorheben)

Alle Heranwachsenden lernen ILC einmal in ihrer Schullaufbahn kennen, nämlich in der 7. Jahrgangsstufe (wenn die Pubertät einsetzt) und in der Eingangsklasse der Beruflichen Gymnasien (wenn gerade ein Schulartwechsel stattfand). Gerade in diesen Umbruchphasen sollen die Einzelgespräche allen Jugendlichen dabei helfen, Zusammenhänge zwischen Lernverhalten und Erfolg zu erkennen und bei Problemen kurzfristige Interventionsmöglichkeiten bieten.
Schüler der anderen Klassenstufen nehmen freiwillig oder auf Anraten am Lerncoaching teil. Sie können selbst über den Umfang der Gespräche bestimmen und auch bei der Auswahl des Lerncoaches mitentscheiden. Beim Reflektieren der Gründe für erlebte Erfolge beziehungsweise Misserfolge können die Heranwachsenden zu wichtigen Erkenntnissen für ihre weitere Entwicklung gelangen. Diese werden in Form von mittelfristig zu erreichenden Zielen schriftlich festgehalten, aktiv angegangen und beim nächsten Coachinggespräch nachbesprochen.
Und nicht zuletzt: Die positiven und wertschätzenden Bestärkungen durch den Lerncoach sowie die großen Zeiträume für den persönlichen Austausch ermöglichen die nachhaltige Vertiefung einer vertrauensvollen Schüler-Lehrer-Beziehung.

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Interview mit Schülern des Aufbaugymnasiums

„Schaut euch an verschiedenen Schulen um und achtet auf die Atmosphäre, die könnt ihr an Schülern festmachen, die lächeln.“ (Jan-Geza Witzel)

Dass eine schulische Karriere entscheidend von einer angenehmen Lernumgebung abhängt, zeigt ein Interview aus dem Magazin TV3 aus dem Jahr 2018. Roswitha und Patric Bosch (TV3 Medienverlag) waren im Gespräch mit drei Schülern sowie dem Schulleiter Dieter Toder:

Es gibt Schulen, die würden Erwachsene heute gerne besuchen, wenn sie noch einmal jung wären. Und es gibt Jugendliche, die eine solche Schule besuchen und die Zeit an dieser Schule genießen, obwohl sie auch Verpflichtung und Verantwortung in der Gemeinschaft mit sich bringt. Nach einem ausführlichen Gespräch mit drei Schülern der Evangelischen Schule am Bodensee – Schloss Gaienhofen, kommt Roswitha Bosch (TV3 Medienverlag) zur Überzeugung, dass Geza, Karoline und Amelie an einer solchen Schule lernen.

JAN GEZA WITZEL, Radolfzell: „Jetzt bin ich seit September in der Eingangsklasse auf dem Wirtschaftsgymnasium und es gefällt mir sehr gut. Irgendetwas hat mich hierher gezogen, der See, die besondere Atmosphäre hier an der Schule.

Lehrer und Schüler begegnen sich auf Augenhöhe. Die Themen werden nicht einfach durchgedrückt, sondern die Lehrkräfte achten darauf, dass jeder Schüler mitkommt!

Die Einstellung: wer nicht mitkommt, hat eben Pech gehabt, die gibt es hier nicht. Und dann die vielen Angebote in den AGs. Ich bin in der Event-AG, unsere Schule organisiert viele eigene Veranstaltungen, man braucht Ton und Lichttechnik, wir bereiten Schulfeste und Feierlichkeiten vor, das macht richtig Spaß. Beim Sportmodell können wir uns eintragen zum Segeln, Klettern, Volleyball und vielem mehr…Gaienhofen war meine eigene Entscheidung; bereits das Vorstellungsgespräch hat Sympathie erzeugt.

Den Zehnt-Klässlern in der selben Situation würde ich den Rat geben: Schaut euch an verschiedenen Schulen um und achtet auf die Atmosphäre, die könnt ihr an Schülern festmachen, die lächeln.

Ganz wunderbar finde ich das Gleichgewicht, zwischen ’unterstützt werden’ und ’in Ruhe gelassen werden’. Man holt sich den Schlüssel zur Bibliothek und kann sich dann mit einem Buch zurückziehen. Und ganz ganz wichtig: die Möglichkeit mit dem iPad zu arbeiten und zu lernen; der Unterricht fällt viel leichter, man kann mal schnell im Netz zum jeweiligen Thema etwas nachschlagen.“

TV3: Wie vor wenigen Tagen publik wurde, müssen Deutschlands Schüler und Lehrer erneut auf die Digitalisierung ihrer Schulen bis zum Sommer 2019 warten – obwohl der Digitalpakt bereits beschlossen wurde und zum 1. Januar 2019 starten sollte. Wie sieht es mit der Digitalisierung im Schloss Gaienhofen aus?

Dieter Toder:

Bei uns hat die Digitalisierung schon vor vielen Jahren begonnen; seitdem arbeitet jeder Schüler ab der 6. Klasse mit einem iPad.

Auch der Schulleiter und die Lehrer freuen sich, mit einem leichten iPad in den Unterricht zu gehen… Früher schleppte der Studienrat immer eine schwere Ledertasche, das ist jetzt vorbei! Die technischen Voraussetzungen sind da… wir hatten vor zwei Jahren noch diese iPad- Wägen, die man in die Klasse reinschiebt und wieder mitnimmt…. heute hat jeder Schüler sein eigenes.

Ausblick Geza: „Ich habe noch 2,5 Jahre vor mir. Doch die gehen schnell vorbei. Ich freue mich darauf, dass ich viel Positives erlebe. Und ich möchte bei vielen AG’s dabei sein. Inzwischen kann ich mir vorstellen, später etwas in Richtung Wirtschaft zu machen. Während eines Praktikums bei Hügli in Radolfzell will ich mich in Richtung Marketing erkunden.“

Schulleiter Dieter Toder: „Wir machen das seit langem und nennen es Orientierung in der Arbeitswelt, kurz OIDA. Jetzt erst kommt das in den baden-württembergischen Bildungsplan. Wir vereinbaren Bildungspartnerschaften, z.B. auch mit Südstern-Bölle in Singen und Konstanz, sodass Praktikumsplätze für unsere Schüler garantiert sind.

TV3: Ist das hier an der Schlossschule in Gaienhofen anders geregelt mit dem Nachmittagsunterricht als beispielsweise an anderen Gymnasien?

Dieter Toder: Die Schüler der Unterstufe bekommen den Nachmittag von Elternseite aus für die Hausaufgabenbetreuung gebucht. Wir sind aber keine gebundene Ganztagsschule, die Schüler müssen nicht 3-4 Nachmittage da sein, sie können. Die Freiwilligkeit spielt da eine große Rolle.

In der Oberstufe ist es so, dass natürlich der Zeitdruck, was den Stundenplan angeht, dichter wird. Trotzdem haben wir noch genügend AG’s, die gut besucht sind, z.B. die Kantorei. Die Zuverlässigkeit ist für den Charakter der Schüler wichtig, das möchte ich Ihnen gegenüber noch loswerden:

Wir sehen uns mit unserer Schule in der reformpädagogischen Tradition, der alte Begriff „Gemeinschaft“ ist wichtig! Und Solidarität gibt es nur im Rahmen einer Gemeinschaft.

Wenn man in der Gemeinschaft Verantwortung übernimmt, wenn ein Konzert ansteht, dann muss man eben da sein, dann muss man eben die weiße Bluse anziehen, da ist dann nix mit „lonely player“. Verantwortung zu übernehmen ist ein Lernen fürs Leben. Da gibt es natürlich vielleicht zu anderen Schulen schon einen Unterschied. In einer normalen Schule habe ich den Klassenverband. Wenn es gut funktioniert, fühle ich mich wohl, wenn nicht, dann ist es schwierig. Hier gibt es die Gruppe der Kantoristen, dann die Event-AG, immer wieder Neuzusammensetzungen und Gemeinschaftsformen, in denen ich mich dann jeweils anders präsentiere.

KAROLINE BOHNER, Iznang: Ich absolvierte hier von der 5. bis zur 10. Klasse die Realschule. Nach dem Abschluss habe ich mich dazu entschlossen, mit G 9 weiter zu machen.

Dieter Toder: Das ist der klassische Weg, Mittlere Reife bei uns im Haus, dann weiter aufs Gymnasium. Im ersten Jahrgang waren es 20 Absolventen von 25, die sich für das Gymnasium entschieden hatten.

Karoline: Ich wollte unbedingt in der Nähe meines Heimatortes bleiben. Zwei Dinge waren mir wichtig: die Atmosphäre im Grünen und das eigene iPad! Meine Eltern waren sehr davon angetan, dass ich im Tagesinternat mit anderen zusammen lernen würde. Schon bei der Schulbesichtigung begeisterten mich die „offenen“ Lehrer, die nicht nur Sachinformationen von sich gaben!

Ich wollte kein nerviges G8, sondern mehr Zeit, um mich mit G9 entspannt auf die Jahrgangsstufe vorzubereiten, es sind nur 13 Schüler in der Gruppe, das ist sehr angenehm.

Ich habe mich für das Sozialwissenschaftliche Gymnasium entschieden. Denn ich will mir alle Wege offen lassen…Ich wusste schon bei der Schulbesichtigung, was ich kriegen kann. Die Klassengemeinschaft ist hier wundervoll. Die Schlossschule wurde mein zweites Zuhause – man bekommt jede Unterstützung, die man braucht und wird mit seinen Problemen nicht allein gelassen. Meine AG ist die Kantorei.

Dieter Toder: Sie umfasst beinahe 100 Sänger/innen – eine ganz besondere Herausforderung ist es, sich geistliche Chorwerke zu erarbeiten; z.B. das Weihnachtsoratorium! Diese Erfahrung ist etwas Einmaliges, es braucht viel Zeit und Enthusiasmus. Manche Sachen brauchen entsprechende Verhaltensweisen! Ich möchte oder ich muss, das ist ein grundlegender Unterschied – und das Ergebnis ist der Lohn für die Arbeit in der Gemeinschaft.

Ausblick Karoline: Ursprünglich wollte ich Lehrerin werden… das ist noch nicht ganz vom Tisch – aber auch vielleicht etwas mit Kunst machen, wir haben einen tollen Kunstlehrer. Durch die AGs lernt man so vieles kennen, evtl. interessiere ich mich auch für Fotodesign. Mein Traum wäre es, später als Lehrerin an die Schule zurück zu kommen. Die drei Jahre will ich jetzt noch genießen, denn sie sind ein wichtiger Lebensabschnitt…

AMELIE FICHERT, Radolfzell: Unsere Familie ist an den Bodensee umgezogen, ich war dann im Gymnasium in Radolfzell. Im Bildungsranking der Bundesländer 2018 erreichte Nordrhein- Westfalen nur den vorletzten Platz. Weil ich von dort komme, wurde ich von vornherein als schlechte Schülerin betrachtet. Aber das stimmt nicht, Ich hätte das Abi überall geschafft… man muss nur wissen, wie man lernt.

Wenn die Atmosphäre nicht stimmt, dann wird es schwierig.

Ich habe mich in Radolfzell nicht sehr wohl gefühlt. Im Tanzkurs lernte ich Schüler kennen, die nach Gaienhofen gewechselt sind. Weil ich manchmal nicht in die Schule gegangen bin, haben meine Eltern schon gemerkt, was los ist… und haben dem Wechsel zugestimmt. Ich habe mich dann für das Sozialwissenschaftliche Gymnasium beworben – für mich war es die Hauptsache hierher zu kommen, die Probestunde war toll!! Seitdem bin ich hier, ich mache jetzt G8.

Ich habe Gemeinschaft gesucht, hier war es wie eine große Familie. Auch das Essen schmeckt hervorragend, alles ist frisch. Es gibt eine Salatbar, man wählt jeden Tag unter drei verschiedenen Gerichten. In der Eingangsklasse, die ich seit September besuche, versucht man alle auf einen Stand zu bringen, das finde ich gut!

Ich habe zwar viermal nachmittags Schule, aber das ist nicht schlimm, weil ich mich hier so wohlfühle!

Dieter Toder: Im Altbau gab es sogenannte Musikboxen, kleine schallisolierte Kammern – einige davon sollen im Neubau erhalten bleiben; das ist jetzt eine richtige bauliche Herausforderung! Auch ein Trompeter kann dort üben, vielleicht mit einem Dämpfer…

Ausblick Amelie: Ich bin sehr naturwissenschaftlich interessiert, vielleicht gehe ich in die Forschung. Schade, dass ich Biologie und Chemie nicht in einer Jahrgangsstufe gleichzeitig belegen kann… Psychologie eröffnet mir die Welt! Ich habe auch an Journalismus gedacht.

TV3: Was bringt euch das iPad? Ist es nur eine bessere Schreibmaschine?

Geza, Karoline und Amelie einstimmig: NEIN! Auf das iPad können Schulbücher herunter geladen werden, es gibt Apps für die Arbeitsblätter, damit machen wir die Hausaufgaben, es ist super geeignet für die Motivationsarbeit und es ist unser eigenes.

Wir arbeiten auch oft zusammen mit dem iPad – man hat so viele Möglichkeiten und wir lieben es, weil es cool ist!!

Text: Roswitha Bosch, Fotos: © Patrick Bosch