Sozialpraktikum

Als evangelische Schule gehört es zu unserem Selbstverständnis, SchülerInnen christliche Werte zu vermitteln, die ihnen Halt und Orientierung in einer sich wandelnden Gesellschaft geben. Die Achtung vor der Schöpfung, Nächstenliebe, gegenseitige Wertschätzung und Respekt sind Grundlagen für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Analog zum diakonischen Auftrag der Kirche absolvieren die SchülerInnen des allgemeinbildenden Gymnasiums in Klasse 10 ein 14-tägiges Praktikum in einer sozialen Einrichtung ihrer Wahl. Sie erfahren dabei, dass praktische Hilfe für den Nächsten auch mit einem Gewinn für ihre eigene Persönlichkeit verbunden sein kann, wenn sie sich für Menschen einsetzen, die am Rand der Gesellschaft stehen, auf Hilfe angewiesen oder benachteiligt sind, und entwickeln ihre Fähigkeit zur Empathie weiter.

 „Wenn ich auf die zwei Wochen zurückblicke, ist es ein tolles Gefühl, dass ich Menschen hier so viel helfen konnte. Ich hatte so richtig das Gefühl, dass mein Einsatz hier einen Sinn hatte.“ - so lautet so manches abschließende Urteil der SchülerInnen, wenn sie ihre Erfahrungen Revue passieren lassen. Grenzsituationen des Lebens im Altenpflegeheim, im Krankenhaus, in Sonderschule, Sprachheilschule, bei den Ambulanten Sozialen Diensten, in der Rehaklinik und anderen Einrichtungen bringen die SchülerInnen zum Nachdenken über ihr eigenes Leben und lassen das Bewusstsein entstehen, was es heißt, nicht benachteiligt oder krank, nicht am Rande der Gesellschaft zu stehen und auf Hilfe angewiesen zu sein, sondern sagen zu können: „Ich bin froh über mein Leben, ich weiß jetzt, was es wert ist.“ 

Die SchülerInnen verfassen einen ausführlichen Praktikumsbericht und werten ihre Erfahrungen gemeinsam mit Erwachsenen aus dem diakonischen Bereich und dem Diakonieverantwortlichen des Kirchenbezirks aus. Alle SchülerInnen erhalten ein Zertifikat, welches richtungsweisend sein kann für eine spätere Tätigkeit im sozialen Bereich.

Wenn Ihrem Kind die zehnte Klasse am allgemeinbildenden Gymnasium noch bevor steht, könnte ein Gespräch mit den letzten PraktikantInnen interessant sein, um sich schon jetzt auf die bevorstehende Erfahrung einzustimmen und abzuwägen, wohin sich die eigene Bewerbung richten könnte.

 

Aus den Praktikumsberichten

Aus dem Arbeitsfeld Pflegeheim: 

"An meinem ersten Tag werde ich eingewiesen, ich soll einer Bewohnerin Essen geben. Sie ist querschnittsgelähmt, sitzt in ihrem Stuhl und schaut mich mit ihren blauen Augen neugierig an, einerseits kritisch und interessiert, andererseits auch abwesend. Sie bekommt klein passiertes Gemüse und Fleisch. „Und wie geb‘ ich ihr jetzt etwas zu essen...?“ Als sie fast alles aufgegessen hat, auch den Nachtisch, bin ich stolz auf mich...“

Aus dem Arbeitsfeld Ambulante Soziale Dienste:

"Ich hatte vor dem Sozialpraktikum keinen Kontakt zu Menschen mit Behinderungen, ich wusste nicht, wie man auf sie zugehen kann. Ich hab schnell gemerkt, dass mir der Umgang mit den Betreuten leicht fällt. Alle waren total nett zu mir. Und ich habe es geschafft einzelne zum Arbeiten zu ermutigen. Die Betreuten verstanden sich untereinander gut. Es war keine Seltenheit, dass sie sich in den Arm nahmen...“

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