Schloss Gaienhofen

Nachruf zum Tod von Hans Sachs...

.... Schulpfarrer und Internatsleiter von 1968 – 1979

Nachruf Hans Sachs, Schulpfarrer und Internatsleiter von 1968 – 1979

an der Evangelischen Internatsschule Schloss Gaienhofen

Wir nehmen Abschied von einer für die Evangelische Internatsschule Schloss Gaienhofen prägenden und in Erinnerung bleibenden Persönlichkeit. Viele Ehemalige trauern mit uns um einen Internatsleiter und Schulpfarrer, der gerade jungen Menschen viel geben hat. 

Er kam in schwieriger Zeit an, in den Jahren einer besonders aufsässigen Schülergeneration (1968!), deren Vertreter ihm anfänglich auch unverblümt sagten: „Sie haben hier keine ‚Junge Gemeinde’ vor sich“, ihm, der aus der evangelischen Jugendarbeit und aus der Gemeindearbeit kam. Doch Hans Sachs ließ sich dadurch nicht entmutigen. Als erstes gründete er einen „Gottesdienstarbeitskreis“ (GAK), der die monatlichen mit der Kirchengemeinde stattfindenden Gottesdienste auch inhaltlich mit Schülern vorbereitete und zusammen mit der Kantorei gestaltete, bei der er selbst mitsang. So stärkte er die Verbindung zur Kirchengemeinde, und darüber hinaus in manchen, zusammen mit seiner Frau durchgeführten Aktionen, den ökumenischen Dialog. Die von ihm eingerichtete „Freitag-Abendandacht“ fand über Jahre hinweg bei den Schülern steigenden Anklang.

Die Schule dankt ihrem damaligen Internatsleiter eine durch seine geduldige Arbeit erst ermöglichte Schul- und Internatsordnung, die ein demokratisches Mitspracherecht aller Gruppen festschrieb, auch und gerade der Schüler. Überhaupt war Schülernähe für ihn nicht nur Anliegen, sondern gelebte Praxis:

Gar mancher durfte mit ihm zum ersten Mal in seinem Leben segeln, nicht wie heute auf dem Wasser, sondern mit einem Segelflieger in der Luft. Und zaubern konnte er abendfüllend vor seinem jungen Publikum. Und tanzen ebenfalls auf den von ihm organisierten Bällen im Albrecht-Dürer-Saal.

Er war, so schildern ihn ehemalige Schüler, eine warmherzige, auf Ausgleich bedachte Person; einige ließen sich später von ihm trauen. Das allein sagt viel über sein Wirken in dieser Zeit an dieser Internatsschule.  

Dabei fiel es ihm nicht immer leicht, die Ämter Schulpfarrer und Internatsleiter zusammen zu bringen – Seelsorger einerseits, Dienstvorgesetzter andererseits. Er hat dies selbst in seiner letzten Andacht am 18. Julil 1979 thematisiert, indem er von den Erwartungen aller „Anspruchsgruppen“ (Schüler, Eltern, Lehrer, Heimleiter) sprach: „Wer hat nun recht? Haben alle recht? Und wie gehen wir miteinander um, wenn keiner von ihnen ganz und gar unrecht hat?“

Er hinterließ kein fertiges Rezept in seiner Andacht, aber einen Appell, den er in die Worte kleidete: „Ich wünsche Euch und Ihnen für das kommende Schuljahr die Weisheit des Herzens, die die Wahrheit auch in den ungewohnten Meinungen andersdenkender Leute wiedererkennt.“

So wird er an seiner alten Schule in Erinnerung bleiben als einer, der die Weisheit des Herzens selbst hat sprechen lassen, der immer erst Person war, bevor er Funktion ausübte und der viele Wahrheiten ausgleichen konnte – und der gerade darum geachtet wurde. 

Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 

D. Toder, Schulleiter, 18.6.2017

Quellen: 

Evangelische Internatsschule Schloss Gaienhofen. Bericht Schuljahr 1978 – 1979. 

Darin besonders:

Josef Michel: Pfarrer Sachs verlässt Gaienhofen (S. 12-13)

Hans Sachs: Andacht zum Schuljahresschluß am 18. Juli 1979 (S. 22-23)

Hans Sachs: Einleitendes Wort zur Verabschiedung der Abiturienten des Jahrgangs 1979 am Samstag, dem 16. Juni 1979 in der Melanchthonkirche Gaienhofen (S. 36-37)

Sowie:

Marie-Luise Mäder geb. Ruch: Abiturientin 1979, Turmkreuzträgerin und Schülersprecherin, im persönlichen Gespräch. 


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