Schloss Gaienhofen

Toskanafahrt 2017 – Sind wir nicht alle ein bisschen verrückt?!

Die Theater AG bereitet mit Siemen Rühaak in der Toskana die Aufführung von "Verrückt!?" vor

Eine Woche, die man so bald wohl nicht mehr vergessen wird, durften wir, die Schüler der Theater AG, vom 7. - 14.04.2017 in der Toskana erleben. Fast planmäßig starteten wir mit dem Bus um etwa 06:43 in Gaienhofen.

Mit ein paar kleinen Nickerchen, Musik, Snacks und guter Laune ließ sich die Busfahrt gut überstehen.

Und schließlich war der erste Anblick des Anwesens „Il Piccolo Teatro 77“ am Fuße des Monte Amiata beim Aussteigen dann unbezahlbar. Wir wurden vor Ort von unserem Gastgeber Siemen, seiner Frau Margrit, dem

Sohnemann Giacomo und der Köchin Joyce mit frisch gebackener Pizza begrüßt und durften anfangen, es uns mit unseren Zelten im Garten der Familie gemütlich zu machen. Auch wenn es teilweise Platzprobleme gab und man die gesamte Woche über Heringe und Zeltschnüre stolpern musste, nahmen wir es wie gewöhnlich mit Humor. Trotz der Urlaubsatmosphäre durften wir allerdings nicht vergessen, dass wir nicht nur zum Spaß die erste Osterferienwoche dort verbringen durften. Schließlich rückt die Premiere unseres selbst geschriebenen Stückes „Verrückt?!“ immer näher und wir haben alles andere als viele Proben übrig.

Daher lief unser Alltag in der Toskana etwa so ab:

Um sieben Uhr aufstehen, individuelle „Morgenseiten“ in ein Tagebuch schreiben und duschen, damit wir immer sehr pünktlich um exakt acht Uhr mit dem Aufwärmen beginnen konnten. Die Aufwärmübungen erschienen so manch einem zu Beginn etwas seltsam, doch mit der Zeit wurde das verrückte Herumspringen, Tanzen und auch der „Sternenfänger“-Song von allen ins Herz geschlossen. Es war bewundernswert. wie sich alle auf die verschiedenen Übungen eingelassen haben. Erschöpft vom Aufwärmen durften wir dann endlich an den Frühstückstisch, wo die unfassbare Joyce uns mit vielfältigen und selbst gemachten Bioaufstrichen verwöhnt hat, aber dazu später noch mehr.

Nach dem Frühstück, durften wir eine Stunde nicht miteinander sprechen. Diese Zeit wurde für versäumtes Duschen, Spaziergänge oder einfach zum Musik hören genutzt. Anschließend versammelten sich alle wieder im Saal, um mit der individuellen Rollenfindung oder weiteren Theaterübungen, wie zum Beispiel dem Wahrnehmen des eigenen Zentrums, fortzufahren. Im Anschluss gab es Mittagessen und dann zwei Stunden Mittagspause, in denen man Gitarre lernen, sich unterhalten, am Fluss baden oder nähere Bekanntschaft mit Zecken machen konnte.

Die Proben nachmittags und abends wurden wieder für Übungen und genauere Szenenarbeit genutzt. Das Besondere an unserem Stück ist, dass wir es wirklich alle mitgestalten dürfen. So wird es unter anderem individuelle Szenen mit Musik oder dem spontan entstandenen „Lachsack“ geben. Bevor wir dann den Rest des Abends im hauseigenen Olivenhain oder am Lagerfeuer mit Stockbrot verbringen konnten, wurde unser Magen nochmal mit köstlichem Essen von Joyce gefüllt – welches im übrigen ausschließlich vegetarisch und komplett selbst gemacht war. Darauf legten sowohl Joyce als auch Siemen großen Wert. Das Resultat von zu viel Salat machte sich bei den meisten auch bemerkbar... Da das Essen allerdings so lecker war, konnte man oft gar nicht glauben, dass in den Burgern zum Beispiel wirklich kein Fleisch war. Einige glauben es mit Sicherheit heute noch nicht - denn schließlich durfte man niemals „in die Töppe kieken“, wie unsere Köchin zu sagen pflegte.

Zum Alltäglichen gehörte auch das Putzen und Sauberhalten des Anwesens in den eingeteilten Putzgeschwadern. Da der Teppich im großen Saal sehr fusselig war, wurde der Staubsauger sehr häufig genutzt. Für uns alle war außerdem die Arbeit mit Siemen ein besonderes Geschenk, da er es geschafft hat, aus uns allen sehr tiefe Emotionen rauszuholen, die wir nun hoffentlich auch auf der Bühne nutzen können.

Zudem lehrte er uns die Wertschätzung von Tugenden wie Achtsamkeit, Erfahrung, Liebe, Freude, Forschergeist, Dankbarkeit und Wahrnehmung. Diese Wörter wurden täglich wiederholt und besprochen, damit wir sie uns auch für die Zukunft einprägten. Die Freizeit wurde aber auch stark von Giacomo, dem fünfjährigen Sohn von Siemen, geprägt, welcher Trisomie 21 hat. Abends wurde es daher auf der Seite des Hauses, an der er schlief, ruhig und wir gingen auch tagsüber achtsam mit ihm um. Das Spielen mit ihm war uns allen eine Freude.

Abgesehen vom Alltag war auch der freie Tag für uns ein Erlebnis: Die freiwillige Wanderung zur nächsten Stadt Seggiano, bei der alle mit mussten, wurde durch ein abkühlendes Bad am Wasserfall und Pizza essen im

Restaurant aufgelockert, und man lernte sich untereinander durch Gespräche auch besser kennen.

Nicht nur die Lehrer Frau Schlenker und Frau Däschler, die wir ausnahmsweise für diese eine Woche Maggie und Anja nennen durften, konnten wir als Schüler kennen lernen, sondern auch die unterstützenden Helfer Urs, ein ehemaliger Schüler, und Paul, ein Elternteil, der jeden Tag frisches Brot gebacken hat, wurden von uns tief ins Herz geschlossen. Zum Ende der Woche, wollten wir alle am liebsten noch eine Woche bleiben.

Mit einem schönen „Bunten Abend“ an dem jeder etwas eigenes Aufführen durfte, verabschiedeten wir uns von der Toskana, wobei jeder von uns noch ein Gruppenbild mit ein paar individuell von Siemen geschriebenen Verabschiedungssätzen geschenkt bekommen hat.

Zusammenfassend sind wir alle - vom Siebtklässler bis zur Köchin - in dieser Woche zu einer großen Familie herangewachsen, was ich in dieser Art und Weise noch nie auf einem Schulausflug erleben durfte. In diesem Sinne nochmal ein großes Danke an alle Unterstützer und Teilnehmer der Toskanafahrt 2017!

(Markus Störk, WJ1a)

 

Die Premiere zu "Verrückt?!" findet am 13. Mai um 19.30 Uhr im AD-Saal statt.

Weitere Aufführungen:

19. und 20. Mai, jeweils 19.30 Uhr.


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