Geschichte der RAG (Ruderabteilung Gaienhofen)

Das Rudern begann 1952 an der sich noch „Christliche Internatsschule Schloß Gaienhofen“ nennenden Schule mit dem Kauf eines Gig-Doppelvierers, der nach dem mysteriösen Schlossgeist „Gago“ benannt wurde (dieses Boot existiert immer noch und ist nach einer Generalüberholung im Jahre 2014 ein wahres Schmuckstück). Der Heimleiter Herbert Georg Diesch stammte aus Dresden und war Ruderer, ihm ist es zu verdanken, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler zu diesem Sport fanden. In unermüdlicher Bettelarbeit gelang es Diesch, Geld für Boote und Zubehör zu sammeln, 1964 erkannte das Oberschulamt Freiburg die Arbeit, die in Gaienhofen geleistet wurde, an, indem es einen neuen Gig-Vierer stiftete. RAG bedeutete übrigens „Ruderabteilung Gaienhofen“ – mit H.-G. Diesch als Obmann und Schülern in ihren Ämtern als Bootswart oder Kassenwart. AGs im heutigen Sinne gab es nicht, bzw. sie waren in Gaienhofen nicht erlaubt. Dafür bot die RAG aber einiges, notabene von Anfang an für Jungen wie für Mädchen: es wurden Regatten in der Nähe besucht, die damals noch z.B. in Überlingen, Radolfzell, Glarisegg oder Bregenz stattfanden, und es wurde auch zu einer Regatta nach Gaienhofen eingeladen, die abends mit dem Rudererball, dem gesellschaftlichen Ereignis des Schuljahres, abgeschlossen wurde.

Nach dem Tod von H.-G. Diesch 1967 stand die RAG plötzlich ohne Führung da, es gab keinen Lehrer oder Erzieher, der die Arbeit weiterführen konnte oder wollte. Der Radolfzeller Trainer Dieter Wagner half aus und betreute die Ruderer zweimal wöchentlich, bis 1973 Knut Beba als Lehrer und Erzieher eingestellt und mit der Aufgabe betraut wurde, den Wassersport an der Schule zu fördern. Denn Knut Beba war Wassersportler durch und durch, konnte auch gut rudern, aber sein Herz hing am Segeln. Es passte auch zur damaligen Ansicht, es sei besser, von der aufwändigen und leistungsorientierten Rennruderei Abstand zu nehmen und stattdessen die Schülerinnen und Schüler fürs Segeln zu begeistern.

So lagen, als Hannes Wilke 1976 an die Schule kam, nur noch ein paar Einer und Zweier mehr oder weniger ungenutzt herum; der Achter existierte nicht mehr, ein paar Vierer warteten im Keller auf dringend nötige Reparaturen. Doch es gab Interesse auf Seiten der Schülerschaft am Rudern, und in gemeinsamer Arbeit von Beba und Wilke wurden genügend Boote wieder flott gemacht. So konnte bald regelmäßiges Rudern stattfinden, zunächst nicht als Training für Regatten, aber zur Vorbereitung von Wanderfahrten, die schon bald nicht nur auf Donau und Neckar, sondern auch in Frankreich durchgeführt wurden. Die verschafften den Schülerinnen und Schülern neue Eindrücke von bisher unbekannten Gegenden und unvergessliche Erlebnisse beim Lagerleben rund ums RAG-Zelt. Der Schulwettkampf Jugend trainiert für Olympia (JtfO) mit dem Ziel, sich für das Bundesfinale in Berlin zu qualifizieren (zu dem die Mannschaften sogar per Flugzeug anreisen durften, was damals noch etwas Besonderes war), setzte dann doch den Anreiz für ein Training im Vierer oder Achter. Das fand morgens vor dem Unterricht statt; ruhiges Wasser, herrliche Sonnenaufgänge und das Gefühl, etwas Besonderes zu leisten, entschädigten dafür, dass man schon früh aus dem Bett gekrochen war. Und das Training lohnte sich: 1985 nahm der Gaienhofener Jungen-Achter zum ersten Mal am Bundesfinale von JtfO teil. In den Folgejahren gelang diese Qualifikation mehrmals, bald auch einem Mädchen-Vierer, aber erst im Jahr 2000 schaffte ein Gaienhofener Boot einen Podestplatz, ein Jahr später gelang der erste Sieg. Die Erfolge der Gaienhofener nicht nur bei Jugend trainiert für Olympia, sondern auch bei anderen Regatten, verdanken die Ruderinnen und Ruderer auch dem 1997 eingeführten Mentorensystem: ältere Schüler betreuten die Anfänger und führen sie bis hin zu Siegen im Bundesfinale von JtfO, im Bundeswettbewerb für Jungen und Mädchen bis 14 Jahre und vereinzelt sogar zur Deutschen Meisterschaft.

Nach Wilkes Ausscheiden aus dem Schuldienst 2011 übernahm Madlen Frey die Leitung der RAG, ehe Christoph Sessler, der als Gaienhofener Schüler selbst mal einer Achtermannschaft angehört hatte, 2012 mit dieser Aufgabe betreut wurde. Die RAG blickt heute auf eine lange Tradition zurück und stellt mit rund 60 Mitgliedern eine der größten AGs der Schule. Wer die Harmonie beim Rudern, auf dem Untersee oder auf Wanderfahrten, wer die Intensität und Spannung bei Wettkämpfen und den Geist der RAG gespürt hat, der bekommt ein Verständnis dafür, was das Rudern in Gaienhofen damals und heute ausmacht. Einen wesentlichen Teil tragen dazu auch die Rudermentoren mit ihrem Engagement bei.

Die Schüler beginnen in Klasse 7 mit dem Rudern, das fester Bestandteil des Sportunterrichts ist, und können diese Sportart auch in den höheren Klassen in der RAG bzw. im Sportmodell weiterführen. 

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